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Presse: Artikel Tagessatz Novemberausgabe 2007

PURPUR - Henry On The Road

2007 Bustaufe 043.jpgEin Artikel über Projekt PurPur aus der Oktoberausgabe des Tagessatz

 von Harald Wörner


Einigen Lesern/-Innen ist in letzter Zeit bestimmt der rote Doppeldecker-Bus von Markus Hühn aufgefallen. Dieser war in Kassel mit dem PURPUR-Theater präsent.

Doch um was genau dreht es sich bei „Projekt PURPUR“ ? Markus lächelt: „Drehen ist ein gutes Stichwort. Mit der beweglichen Bühne auf meinem Bus, der Henry heisst, bin ich in diesem Jahr auf `Sonnendeck 2007`-Tournee. Es geht darum, Raum für Begegnung zu schaffen, sowie Farbe und Freude nach Kassel zu bringen.“Rund um den Bus fanden in den letzten Monaten Zirkusvorstellungen (Buntmaus), Tanzveranstaltungen (Standardtänze, Tango Argentino), oder auch Domino-Turniere statt. Auch eine begleitende Ausstellung zum „Mach-Was-T(R)äume“-Projekt (documenta-Beirat), sowie das Playback-Theater selbst sollen hier Erwähnung finden.

IMG_4786.JPG

Jeder Moment hat seine Bedeutung
Grundidee des Playback-Theaters ist: „Jeder Moment im Leben ist eine Geschichte wert.“ Daher erzählen Menschen aus dem Publikum Geschichten, Erfahrungen und Momente aus ihrer Vita. Das sind lustige, schöne und traurige Sachen. Es spielt keine Rolle, ob das Alltagserfahrungen sind, oder für diejenigen, die sie erinnern, etwas Besonderes darstellen. Den Kollegen und Markus Hühn ist wichtig, dass „...wir das Erzählte spontan im kleinen Theaterstück respektvoll auf die Bühne bringen.“ Zuhören und Erzählen erleichtert das Sich-Einander-Näherkommen: „Denn ein Fremder ist ein Mensch, dessen Geschichte Du noch nicht kennst.“ Im Gegensatz zu anderen Spielformen geht es bei „PURPUR“ darum, einen emphatischen Rahmen zu schaffen, in dem jede Geschichte/jeder Mensch Gehör finden kann. Keiner wird vorgeführt oder bloßgestellt. Das Geschehen verläuft spontan und knüpft im Wesentlichen an die Tradition der Geschichtenerzähler an. So werden Erfahrungen über den Austausch innerhalb der Gemeinschaft weitergegeben: „Keine Geschichte ist zu klein, um nicht erzählt zu werden.“ Mit Henry, dem Bus, fährt Projekt PURPUR zu den Auftrittsorten, wie jetzt im Sommer, zu den „Mach-was-T(R)äumen“. Dort war der Theaterpädagoge zu Gast, um mit Anwohnern zusammen deren Lebensumfeld auf die Bühne zu bringen. Die Vorstellungen finden in Zusammenarbeit mit „ZirkuTopia e.V.“ statt, von dem er Zelte, aber auch technisches Gerät erhält. Als es nötig geworden war, den Bus umzubauen, hatte er die Unterstützung durch VABIA (Vellmar), auch ein KFZ-Mechaniker stand ihm zur Seite. Die Stadt gab ihm die Möglichkeit, mit dem Bus den Königsplatz zu bespielen. Seine Schauspieler/-Innen arbeiten umsonst, nur aus Spaß an der Sache: „Doch bin ich über Unterstützung dankbar und auch darauf angewiesen.“

2007 Bustaufe 100.jpg

Flair in die Stadt bringen
Als ich Markus nach Höhepunkten in der Arbeit frage, lächelt er: „Da gibt es eine Menge. Am meisten berührt hat mich die Geschichte einer Frau aus Afghanistan, die über Leben, Gedanken und Gefühle fernab ihrer Heimat berichtet hat. Sie hat uns vertraut, die Zuschauer und dasTeam mit ihrer Geschichte tief berührt.“ Auch mit Ai Wiewei, dessen „Fairytale“-Projekt“ gab es eine Kooperation, hiervon konnte man sogar einen Film im HR bestaunen. Auch die Tango-Abende, die immer wieder eine schöne Atmosphäre zaubern, möchte er nicht unerwähnt lassen: „Insgesamt hat das Projekt einfach ein wenig Flair in die Stadt zurückgebracht.“ Als Künstler lebt er in einer prekären Situation. Doch Unabhängigkeit ist ihm wichtiger: „ Über Sponsoren würde ich mich sicher freuen, doch momentan finanziere ich PURPUR aus eigener Tasche.“ Denn ein Veranstaltungstag kommt, inklusive aller Kosten, leicht auf bis zu sechshundert Euro. Dieses Geld verdient Markus Hühn vorher durch Jugendarbeit, Workshops und Zirkusveranstaltungen. Kann man denn davon existieren?: „Ich `lebe` vor allem von den Rückmeldungen und den Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen. Geld ist nicht alles!“

www.tagessatz.de


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Samstag, 27 Oktober 2007

 
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